Die menschliche Haut beherbergt schätzungsweise eine Billion Mikroorganismen – mehr als die Milchstraße Sterne hat. Diese winzigen Lebewesen, hauptsächlich Bakterien, aber auch Pilze und Viren, bilden das sogenannte Hautmikrobiom. Auf jedem Quadratzentimeter unserer Haut leben etwa eine Million Bakterien. Die Gesamtzahl der Mikroben auf und in unserem Körper übersteigt die Anzahl unserer eigenen Körperzellen. Wir sind also, genetisch betrachtet, mehr Mikrobe als Mensch.
Nicht überall auf der Haut herrschen die gleichen Bedingungen. Trockene Bereiche wie Unterarme beherbergen andere Bakterienarten als fettige Regionen wie die Stirn oder feuchte Zonen wie Achselhöhlen. Wissenschaftler unterscheiden etwa 20 verschiedene Hautregionen mit jeweils eigenen mikrobiellen Gemeinschaften. Die Vielfalt ist enorm: Forscher haben bisher über 1.000 verschiedene Bakterienarten auf der menschlichen Haut identifiziert, wobei jeder Mensch etwa 200 verschiedene Arten beherbergt.
Die allermeisten dieser Mikroorganismen sind nicht nur harmlos, sondern sogar nützlich. Sie bilden eine schützende Barriere gegen krankmachende Keime, die sich nicht ansiedeln können, wenn der Platz bereits von harmlosen Bakterien besetzt ist. Manche Hautbakterien produzieren Substanzen, die pathogene Keime aktiv bekämpfen. Andere helfen bei der Regulation des pH-Werts der Haut oder unterstützen das Immunsystem dabei, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden.
Ein gesundes Hautmikrobiom ist vielfältig und ausgewogen. Probleme entstehen oft, wenn dieses Gleichgewicht gestört wird. Übermäßiges Waschen mit aggressiven Seifen kann die schützenden Bakterien dezimieren und hautreizenden Keimen Platz machen. Antibiotika, sowohl als Tablette eingenommen als auch als Salbe aufgetragen, können das bakterielle Gleichgewicht durcheinanderbringen. Auch Stress, Ernährung und Umweltfaktoren beeinflussen die Zusammensetzung unserer Hautflora.
Wissenschaftler haben festgestellt, dass Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Akne oft ein verändertes Hautmikrobiom aufweisen. Bei Neurodermitis ist beispielsweise häufig das Bakterium Staphylococcus aureus übermäßig vertreten, während nützliche Bakterienarten fehlen. Diese Erkenntnisse haben zur Entwicklung neuer Therapieansätze geführt: Statt Bakterien nur zu bekämpfen, versucht man nun, das Gleichgewicht durch probiotische Hautpflegeprodukte wiederherzustellen.
Interessanterweise ist das Hautmikrobiom so individuell wie ein Fingerabdruck. Selbst eineiige Zwillinge haben unterschiedliche mikrobielle Gemeinschaften auf ihrer Haut. Forensiker erforschen bereits, ob man Menschen anhand der Bakterien identifizieren könnte, die sie auf berührten Gegenständen hinterlassen. Diese bakteriellen Signaturen bleiben erstaunlich stabil – selbst nach gründlichem Händewaschen ist die ursprüngliche Bakteriengemeinschaft nach wenigen Stunden wiederhergestellt.
Die Forschung zum Hautmikrobiom steckt noch in den Anfängen, verspricht aber revolutionäre Erkenntnisse für Medizin und Kosmetik. Zukünftige Hautpflegeprodukte könnten gezielt das mikrobielle Gleichgewicht fördern statt es zu stören.